militarismus heute

Die Hauptziele des globalen Neomilitarismus
Der globale Neomilitarismus, der den Kalten Krieg ablöste, verfolgt sechs Hauptziele. Das zeigt ein nüchterner Blick auf die letzten zehn Jahre.

Das erste ist die Sicherung der Rohstoffquellen und -routen.

Das zweite ist die strategische Kontrolle über die beiden aufsteigenden Wirtschaftsmächte China und Indien.
Wenn es gelänge, über eine globale Hegemonie die Eliten der beiden Ländern, die selber nur über wenige Rohstoffe verfügen, einzubinden und notfalls zu erpressen, wäre es sogar möglich, von den dortigen Heeren an billigen Arbeitskräften zu profitieren.

Drittens geht es darum, Migrationsströme mit militärischen Mitteln abzufangen.
Mit genau diesem Argument begründete anfangs Juli 2006 der VBS-Botschafter Raimund Kunz die Entsendung von Schweizer Soldaten nach Afrika. Mit grosser Wahrscheinlichkeit dürfte, verursacht durch den Klimawandel, in Zukunft eine der grössten Völkerwanderungen in der Geschichte der Menschheit auf uns zukommen. Das Pentagon berücksichtigt bereits heute in seinen Planungen entsprechende Szenarien (Altvater 2005).

Der vierte, in der Schweiz besonders leicht sichtbare Beweggrund für Auslandeinsätze liegt
in der Relegitimierung von Armeen, die seit dem Ende des Kalten Kriegs unter einem grossen Sinndefizit leiden.

Der fünfte sind die Profite der Rüstungskonzerne.
Tatsächlich wurde in den 1990er-Jahren der für die Osterweiterung der Nato zuständige US-Ausschuss vom Vizepräsidenten des Rüstungskonzerns Lockheed Martin präsidiert.

Last but not least dient die Militarisierung der Aussenpolitik
und die damit verbundene Spannungsstrategie der innenpolitischen Disziplinierung von Gesellschaften, die immer komplexer und unübersichtlicher werden. Die Angst vor dem Zerfall der Gesellschaft und der Drang, ihn über die Heraufbeschwörung starker Feindbilder zu bannen, gehört zu den konservativen Urreflexen.

Das wichtigste neue Feindbild nach dem Untergang der Sowjetunion ist der Islam.
Wie früher der Antikommunismus, dient die Muslimfeindlichkeit der Festigung der bürgerlich-kapitalistischen Macht im Inland und deren Ausweitung im Ausland. Die Islamophobie ist, wie der Judenhass, eine alte abendländische Erblast und verbindet sich gerade bei den klassischen Trägern des Antisemitismus mit einer unkritischen Unterstützung Israels. In ihren Augen trägt Israel – ähnlich wie bis vor wenigen Jahren Südafrika– »the white man’s burden« (die Last des weissen Mannes) in einem dem Abendland ›feindlich‹ gesinnten Umfeld.
Das Tragikomische an dieser Konstellation liegt darin, dass den konservativen Abendländern bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs die Juden als Abkömmlinge wenn nicht gar Agenten eines fremden Morgenlandes galten.

Josef Lang ‚the long global war‘ und die Schweizer Linke, Denknetzjahrbuch 2006