E wie Erzengelhaftes und Wunderbares

Die besondere Bedeutung des gegenwärtigen Michael-Zeitalters liegt darin, dass Michael gegenwärtig vom Erzengel-Rang zum Urengel-Rang eines Zeitgeists aufsteigt und dadurch zunehmend eine alle Völker übergreifende spirituelle Vertiefung der ganzen Menschheit anregen kann.

„So stehen wir an einem wichtigen Wendepunkt.
Geisteswissenschaft verstehen, heißt im Grunde nichts anderes, als ein Gefühl haben für diesen Wendepunkt in unserer Zeit.
Nun sind nicht alle Wesenheiten, die der Hierarchie der Archangeloi angehören, gleich geartet, gleich im Rang. Wenn wir von der Hierarchie der Archangeloi sprechen, kann man sagen, die lösen sich zwar so ab, wie ich gesagt habe. Aber der höchste im Range, gleichsam der Oberste ist derjenige, der in unserem Zeitalter die Herrschaft zu führen beginnt, ist Michael. Er ist einer aus der Reihe der Archangeloi, aber er ist gewissermaßen der Fortgeschrittenste. Nun gibt es eine Entwickelung, und die Entwickelung umfaßt alle Wesen. Alle Wesen sind in einer sich steigernden Entwickelung, und wir leben in dem Zeitalter, wo Michael, der Oberste von der Natur der Archangeloi, übergeht in die Natur der Archai. Er wird allmählich übergehen in eine leitende Stellung, wird eine leitende Wesenheit, wird Zeitgeist, leitende Wesenheit für die ganze Menschheit.

Das ist das Bedeutsame, das ist das ungeheuer Wichtige unseres Zeitalters, daß wir begreifen, daß das, was in allen vorhergehenden Epochen noch nicht da war, für die ganze Menschheit nicht da war, nun sein kann, werden muß ein Gut für die ganze Menschheit. Was bisher bei einzelnen Völkern auftrat – spirituelle Vertiefung -, kann nun etwas sein für die gesamte Menschheit.

Und wenn wir so hinweisen auf dasjenige, was hinter der Sinnenwelt geschieht, so können wir auch hinweisen auf das, was sich in der Sinnenwelt abspielt als ein äußerer Ausdruck dessen, was eben geschildert worden ist: daß gleichsam eine Erhöhung des Erzengels Michael sich abspielt hinter der sinnlichen Welt. Bisher hat der Mensch eine Persönlichkeit sein können; in Zukunft wird er auch eine Persönlichkeit sein können, aber in einer anderen Weise als es bis in unser Zeitalter möglich gewesen ist. Der Mensch hat gewissermaßen immer teilgenommen an den übersinnlichen Welten, hat es wenigstens können mit seinem Seelenleben. Aber die persönliche Note, die persönliche Färbung, die der Mensch dargelebt hat in dieser Sinnenwelt, kam nicht von oben herunter, sondern von unten herauf, sie kam von Luzifer. Luzifer hat die Persönlichkeit gemacht. Daher konnte man bisher sagen: Der Mensch kann mit seiner Persönlichkeit nicht eindringen in die übersinnliche Welt, kann seine Persönlichkeit nicht hineinbringen in die geistige Welt, er muß seine Persönlichkeit auslöschen, sonst verunreinigt er die geistige Welt. In Zukunft obliegt dem Menschen, daß er die Persönlichkeit inspiriert werden läßt von oben, auf daß sie aufnehmen könne, was da ausfließen soll aus dergeistigen Welt. Ihre Note bekommt die Persönlichkeit durch das, was sie an spirituellen Erkenntnissen aufzunehmen vermag, die Persönlichkeit wird etwas ganz anderes werden in zukünftigen Zeiten. Gewissermaßen durch das, wodurch er abgewichen ist vom Geistigen, was ihm von dem Leibe aufgedrückt wird, war der Mensch früher eine Persönlichkeit, in Zukunft wird er eine Persönlichkeit sein müssen durch dasjenige, was er aus der spirituellen Welt in sich zu verarbeiten, in sich aufzunehmen vermag.“

Rudolf Steiner. GA 152. Seite: 60 ff.

Bild: Erzengel Michael wiegt eine Seele, Gemälde aus der Kapelle des Palazzo Carrara in Padua

Erzengel Regentschaften zum Vertiefen